
Kosten in Finanzprodukten: Was Anleger wissen sollten
Kosten können die langfristige Entwicklung einer Geldanlage beeinflussen. Sie werden je nach Produkt unterschiedlich ausgewiesen. In diesem Beitrag zeige ich dir, welche Kostenarten bei Fonds, Depots und Versicherungen auftreten können und wo du sie in den Unterlagen findest.
Depotkosten
In einem Depot fallen unterschiedliche Kostenarten an. Einige davon sind in der sogenannten TER (Total Expense Ratio) enthalten, die bei jedem Fonds verpflichtend in den Informationsunterlagen angegeben werden müssen. Andere Kostenarten wiederum sind darin nicht enthalten. In meinen Analysen berücksichtige ich alle Kostenarten, lese sie aus den Vertragsunterlagen heraus und stelle sie transparent und nachvollziehbar dar.
Ausgabeaufschläge (AA)
Diese einmaligen Kosten betragen in der Regel 2,5 % bis 5 % des Sparbetrags. Das bedeutet: Wer monatlich 100 € spart, investiert tatsächlich nur etwa 95–97,50 € – je nach Höhe des Ausgabeaufschlags. Der Rest geht als Vertriebsprovision an die Bank oder den Vermittler.
Fondskosten (laufende Kosten)
Die laufenden Fondskosten findest du in den wesentlichen Anlegerinformationen deines Investmentfonds.
• Bei ETFs liegen sie meist bei ca. 0,3–0,5 % jährlich.
• Bei aktiv gemanagten Fonds betragen sie häufig 1–2 % jährlich.
Diese Kosten werden jährlich automatisch aus dem Fondsvermögen entnommen und reduzieren somit die Rendite.
Transaktionskosten innerhalb des Fonds
Auch innerhalb eines Fonds finden Käufe und Verkäufe von Wertpapieren statt. Diese verursachen sogenannte Transaktionskosten, die nicht immer ausgewiesen, aber dennoch wirksam sind.
• Bei ETFs liegen diese geschätzt bei etwa 0,16 % pro Jahr.
• Bei aktiv gemanagten Fonds können sie bis zu 0,88 % pro Jahr betragen.
Gesamtkostenübersicht bei Fondsanlagen
| Kostenelement | TER-Bestandteil | Höhe der Kosten | Ø Kosten p.a. | Beschreibung |
|---|---|---|---|---|
| Ausgabeaufschläge | Nein | 2 – 6 % | 0,2 % | Verkaufsprovision, die der Bank oder dem Vermittler zukommt |
| Managementgebühr | Ja | 1 – 2,5 % | 1,5 % | Fondsmanagement, Research, Gewinnmarge der Fondsgesellschaft |
| Depotgebühr | Ja | 0,3 – 1 % | 0,4 % | Vergütung für die Depotbank |
| Transaktionskosten | Nein | 0,5 – 3 % | 0,8 % | An- und Verkauf von Wertpapieren im Fonds |
| Market Impact Kosten | Nein | 0,5 – 3 % | 0,5 % | Preisbeeinflussung durch große Handelsvolumina |
| Performance Fee (optional) | Nein | 0,5 – 2 % | – | Nur bei bestimmten Fonds |
| Gesamtkosten | – | – | 3,4 % | Summe aller laufenden und einmaligen Kosten |
➡️ Gesamtkosten pro Jahr: bis zu ca. 3,4 % der Anlagesumme
Kosten in Versicherungsprodukten
Die Kostenstruktur von Renten- oder Lebensversicherungen kann aus Vertragskosten und – bei fondsgebundenen Policen – zusätzlichen Fondskosten bestehen. Für einen Vergleich sollten Kosten, Garantien, Flexibilität, Steuern, Laufzeit und Anlagekonzept gemeinsam betrachtet werden.
Wie verdient der Berater?
Bei provisionsbasierter Vermittlung kann die Vergütung des Vermittlers in den Produktkosten enthalten sein. Die Kosten- und Vergütungsinformationen findest du in den jeweiligen Produkt- und Vertragsunterlagen.
Prüfe deshalb, welcher Anteil deines Beitrags tatsächlich investiert wird und welche Abschluss-, Verwaltungs-, Fonds- oder Servicekosten anfallen.
Kosten in Renten- oder Lebensversicherungen
In der Versicherungswelt unterscheidet man vier Kostenarten:
Alpha-Kosten – Abschluss- und Vertriebskosten
Beta-Kosten – Verwaltungskosten auf den laufenden Beitrag
Gamma-Kosten – Verwaltungskosten auf das Fondsguthaben
Kappa-Kosten – feste jährliche Verwaltungskosten (Stückkosten)
Beispiel: Nürnberger Rentenversicherung (Tarif NFX3200)
Ausganssituation:
- Kunde/Mandant 24 Jahre alt
- Monatsbeitrag: 300 €
- Laufzeit: bis 67 Jahre → 43 Jahre
- Beitragssumme: 300 € × 12 Monate × 43 Jahre = 154.800 €
Auszug aus den VVG-konformen Unterlagen.

Abschluss und Vertriebskosten sowie Verwaltung und Fondskosten
Maximal 2,5 % der Bewertungssumme erlaubt.
Beitragssumme: 300 € × 12 × 43 = 154.800 €
2,5 % davon: 3.870 €
Tatsächlich entnommen: 3.150 € (weil Nürnberger nur mit max. 35 Jahren Laufzeit rechnet → 300 × 12 × 35 = 126.000 €)
Zusätzlich werden 1.548 € über die gesamte Laufzeit entnommen (1 % der Bewertungssumme auf 43 Jahre). → Gesamtvertriebskosten: 4.698 €
Verwaltungskosten auf monatlichen Beitrag:
171 € p.a. auf 3.600 € Beitrag → 4,75 %
Zusammen mit der 1 % aus der Vertriebskostenquote: 5,75 %, also 17,25 € pro Monat
Verwaltungskosten auf das Fondsguthaben:
0,2 % p.a. auf das Guthaben
Beispiel: bei 300.000 € Guthaben → 600 € jährlich
Kosten in der Rentenphase (Verrentung):
Verwaltungskosten auf ausgezahlte Rente: 1,5 – 2 %
Beispiel: 600 € Rente → 12 € Kosten bei 2 %
Kosten auf Zuzahlungen:
Abschlusskostenquote: 4,25 %
Z. B. 100 € Zuzahlung → 4,25 € Abschlusskosten
Fondskosten:
TER bis zu 2,5 % p.a. bei aktiven Fonds
Zusätzlich: Transaktionskosten im Fonds selbst
Empfehlung: ETFs können wegen ihrer Kostenstruktur eine Option sein; ihre Eignung hängt unter anderem von Risiko, Anlageziel und Produkt ab.
Zu erwähnen ist das in Rentenversicherungsverträgen keine Aufgabeaufschläge anfallen.
Mögliche sonstige Kosten
Auf mögliche sonstige Kosten möchte ich an dieser Stelle nicht näher eingehen, da es sich hierbei meist um Bearbeitungsgebühren handelt, die nur im Einzelfall anfallen und in der Regel selbsterklärend sind.
Hier ein Auszug aus den Antragsunterlagen.

Wo finde ich die Kostenangaben?
Die wichtigsten Stellen sind:
- „Kostenausweis nach §2 VVG-InfoV“ (für private Altersvorsorge)
- Produktinformationsblatt (PIB) bei Riester- oder Rürup-Verträgen
- Wesentliche Anlegerinformationen der Fonds
- Im Versicherungsantrag (VVG konforme Unterlagen)
Unser Rat an dich
Ob Depot oder Versicherung geeigneter ist, hängt unter anderem von Kosten, Steuern, Flexibilität, Absicherungsbedarf und Laufzeit ab.
Weiterführende Informationen: Depotcheck und Honorarberatung.